Nach der Schule zum Bundesliga-Training

 

Nach der Schule zum Bundesliga-Training

„Der Zeitplan ist ziemlich straff“, sagt Conor Gnerlich. Jeden Tag bis 15.45 Uhr Schule, zu Hause schnell Mittag essen, Tasche packen und zum Fußball-Training. Und danach? „Dann ist man kaputt“, sagt der 17-Jährige, „man macht noch Hausaufgaben und geht schlafen.“ Für andere Hobbies und auch Freunde bleibt wenig Zeit – fast nur in den Ferien. Auch an den Wochenenden ist er noch mehr unterwegs als bisher. Denn Gnerlich ist mit dem U-19-Team des JFV Nordwest in die Bundesliga aufgestiegen.  Auswärtsfahrten nach Braunschweig, Leipzig und Cottbus haben er und sein Team schon hinter sich gebracht, neben Osnabrück, Hamburg, Hannover und Wolfsburg müssen sie auch noch in Kiel, Berlin,  Jena und Dresden antreten.

Man versucht immer, im Bus zu lernen, aber meistens klappt das nicht. Bisher war es einfach immer zu aufregend“, erzählt Gnerlich: „Es ist auch immer witzig, weil ja das Team dabei ist, und alle Freunde sind.“

Dennoch sei eine so lange Fahrt – nach Leipzig 430 Kilometer, nach Cottbus 530 – anstrengend –  wie auch eine Hotel-Übernachtung. „Man ist um 20 Uhr da, isst, geht schlafen, und am Morgen spielt man direkt. Das ist eine Umstellung, aber wir gewöhnen uns dran. Wenn man zu Hause schläft, fühlt man sich   wohler – aber das geht schon.“

Und eins ist klar: Die Jungs wollen das natürlich. Das ist schließlich Bundesliga-Fußball. „Nach  der Relegation letzte Saison habe ich gedacht, es gibt nichts geileres, als im Elfmeterschießen in die Bundesliga aufzusteigen. Aber dann gewinnen wir die ersten Spiele gegen den Hamburger SV und Dynamo Dresden. Das war klasse“, berichtet der Mittelfeldspieler: „Wir sind als Brüder aufs Feld gegangen. Jeder kämpft  für sich und für das Team – das ist genial.“

Doch dann musste die Mannschaft  ein 0:2 bei Eintracht Braunschweig, ein schmerzhaftes 0:8 bei RB Leipzig und ein 0:5 gegen den VfL Wolfsburg einstecken. „Die Niederlagen waren hart – auch in der Höhe. Wenn man fünf Tore kassiert, lässt man schon die Köpfe hängen.  Aber mit jedem Zweikampf, den man gewinnt – auch im Training – wird das Selbstbewusstsein wieder besser.“ Gnerlich baut da auf den geschlossenen Mannschaftsgeist.

Seine Zukunft plant Gnerlich indes mit Bedacht: „Klar träumt jeder davon, in den großen Clubs zu spielen. Aber ein großer Sprung ist nicht immer der richtige Schritt“, sagt der JFV-Kapitän: „Gerade zu Beginn ist eben wichtig, dass man spielt. Und dass man sich gebraucht und willkommen fühlt.“ Der 17-Jährige spricht aus Erfahrung. Er hat bis Sommer 2015 ein Jahr in der U 17 des FC St. Pauli gespielt. „Das war vielleicht ein zu großer Schritt“, meint Gnerlich. Außerdem hätten dort viele Vertragsspieler viel auf sich selber geschaut, und nicht auf das Team. „Das hat mir nicht gefallen“, sagt er.  Das ist in Oldenburg anders – was sich besonders nach den deftigen Niederlagen in Leipzig (0:8) und gegen Wolfsburg (0:5) gezeigt hat. „Wenn man so viele Tore kassiert, lässt man schon die Köpfe hängen“, sagt Gnerlich:  „Aber mit jedem Zweikampf, auch im Training, wird das Selbstbewusstsein stärker. Es liegt am Team, wie man nach Niederlagen zurückkommt.“

Wie gerufen kommt da das Derby gegen Werder Bremen am Sonntag (12.30 Uhr/Sportpark Osternburg): „Viele von uns haben da gespielt. Man merkt, dass  eine besondere Anspannung da ist“, betont Gnerlich: „Gegen Werder ist jeder heiß.“

(Text: NWZ Mathias Freese)