Bundesliga als große Herausforderung

 

Bundesliga als große Herausforderung

Dass der Landkreis Oldenburg viele Faustball-Bundesligaspieler beheimatet, ist hinreichend bekannt.

Doch dass von hier aus auch Fußballer zu Erstligaspielen starten, dürfte einige überraschen: Nicht weniger als sechs Akteure des JFV Nordwest kommen aus dem Landkreis und deren U-19-Team spielt seit dieser Saison in der Fußball-Bundesliga der A-Junioren.

Einer aus diesem talentierten Sextett ist Mittelfeldspieler Tom Schmidt aus Wildeshausen. „Wir wollen auf jeden Fall in der Liga bleiben und uns gegen Top-Clubs behaupten“, sagt der 17-Jährige. Auf Partien wie gegen die U-19-Teams von Hertha BSC und RB Leipzig freue er sich besonders. „RB strebt auf, und Hertha ist als traditionsreicher Hauptstadtclub einfach etwas Besonderes.“

Vor Tom Schmidt, Torhüter Dario Reuter (Wüsting) und Verteidiger Aaron Lepthien (Hude) liegt eine ziemlich harte Umgewöhnung. Vergangene Saison spielten sie noch in der U-17-Mannschaft des JFV in der Regionalliga Nord der B-Junioren. Damit müssen sie sich nicht nur an die härtere Spielweise der U19, sondern auch an das Niveau der Bundesliga gewöhnen. Das gilt allerdings auch für die drei weiteren Spieler aus dem Landkreis denn Bundesligaluft schnupperten alle bislang allenfalls als Zuschauer im Stadion oder am Fernseher. Mittelfeldspieler Moritz Hannemann (Hude) und „Sechser“ Conor Gnerlich (Hundsmühlen) gehörten immerhin schon zur Aufstiegsmannschaft, Gnerlich sogar als Leistungsträger. Torwart Thilo Pöpken, der das Fußballspielen beim SV Tungeln gelernt hat, trug zuletzt das Trikot von Weder Bremens U17 und kickt in dieser Saison nun erstmals für den JFV.

In die Bundesliga sind die Oldenburger dank der dramatischen und erfolgreichen Relegation gegen Union Berlin im Juni aufgestiegen. „Das ist die höchste Spielklasse für uns, wir freuen uns auf den Auftakt“, sagt Trainer Lasse Otremba, dem es nicht viel anders geht als seinen Jungs: Vergangene Saison trainierte er noch die U17 und steigt nun zusammen mit der U19 in die Bundesliga auf. „Unser Ziel ist ganz klar der Klassenerhalt. Ich war mit dem VfL Oldenburg schon einmal dort. Der VfB und der VfL haben schon einmal in der Bundesliga gespielt, aber beide sind sofort wieder abgestiegen.“ Umso wichtiger sei deswegen jetzt ein ordentlicher Saisonstart. „Wir müssen gut reinkommen“, weiß Otremba.

So sieht es auch Conor Gnerlich. Der 17-Jährige kam vor einem Jahr nach einer Saison beim FC St. Pauli zum JFV. An die Aufstiegsspiele erinnert er sich immer noch gerne. „Das war eine riesige Sache“, sagt der dribbelstarke Hundsmühler, der in der Bundesliga der Kapitän seiner Mannschaft sein wird. Den kommenden Aufgaben blickt er optimistisch entgegen. „Es wird zwar schwer, aber wir können es schaffen. Wir haben das Potenzial, um genügend Mannschaften hinter uns zu lassen, damit es zum Klassenerhalt reicht.“

Daher bereitet sich der U-19-Bundesligist auch überwiegend mit Testspielen gegen Männermannschaften auf die Saison vor. Gegen GVO Oldenburg (Bezirksliga) gewann der Nachwuchsbundesligist 2:1, gegen den VfL Oldenburg (Oberliga) gab es ein 2:2, gegen Aumund/Vegesack aus Bremen (Oberliga) einen 4:2-Sieg, und gegen TuS BW Lohne (Landesliga) unterlagen die Oldenburger 1:3.

Tom Schmidt sollte es erstmal schwer haben, sich in der Mannschaft zu behaupten. Während das Oldenburger Team täglich und in der intensiven Vorbereitungsphase sogar bis zu zweimal am Tag trainierte, musste Schmidt auf das Abklingen seiner Sehnenreizung warten. „Das ist natürlich ärgerlich“, findet er. Im vergangenen Jahr spielte er in der Niedersachsen-Auswahl.

Sollte seine Mannschaft in der Bundesliga erfolgreich sein, käme das auch Tom Schmidt zugute. „Die U19 ist natürlich ein gutes Sprungbrett. Wenn ich später im Erwachsenenbereich aber erstmal in der Regionalliga spiele, reicht mir das auch.“ Schließlich, und das weiß auch der Wildeshauser, sei der Unterschied vom Jugend- zum Herrenbereich groß. In seiner aktuellen Mannschaft mit Trainer Otremba fühle er sich auf jeden Fall wohl was auch für die fünf anderen Kicker aus dem Landkreis gilt. „Dass wir so tolle und ehrgeizige Talente haben, liegt auch an der guten Basisarbeit, die von den Landkreisvereinen im Grundlagenbereich schon geleistet wird. Daher dürfen die Ausbildungsvereine zu Recht stolz auf ihre Jungs sein, und wir sind allen beteiligten Vereinen sehr dankbar“, betont Otremba. Somit dürfen sich also auch die Landkreisclubs ein bisschen als Bundesligisten fühlen…

(Text: FUPA Sascha Sebastian Rühl und Michael Hiller)